Für zwischendurch...

15 07 2010

...ein kleines Update. Leider komme ich momentan aufgrund äußerer Zwänge (Studium) nicht so viel zum Schreiben, aber einiges hat sich schon abgezeichnet.

Die Schrift ist in Dao (Abschnitt 1-37) und De (Abschnitt 38-81) unterteilt. Ich werde nacheinander diese analysieren und kategorisieren. Die drei Kategorien, die ich benutzen werde, sind Kosmologie, Ethik und gesellschaftspolitische Aspekte. Unter Kosmologie verstehe ich die Aussage das Daodejing über die Welt und das Sein der Dinge, also die Metaphysik, welche dieses Buch beinhaltet. Unter der Ethik verstehe ich vor allem die Charakterisierung des "Berufenen", einer zentralen Gestalt in diesem Werk. Gesellschaftspolitische Aspekte sind schließlich die Aussagen, die das Buch über die Gesellschaft und Politik trifft, auch die nicht seltenen Anweisungen an die Staatsoberhäupter gehören hierzu.

Diese Kategorisierung ist natürlich sehr grob, aber sie erfüllt den Zweck, das Werk zusammenzufassen und die zentralen Aussagen schärfer zu zeichnen. Ebenfalls zu erwähnen ist, dass ich zunächst stark positiv interpretieren werde. Das heißt, dass ich die Mehrdeutigkeit des Textes (aufgrund seines Alters und der Fremdheit der Kultur ist diese Mehrdeutigkeit sehr ausgeprägt) ausnutzen werde, um die Aussagen in so vielen sinnvollen Gedanken wie möglich wiederzufinden.

Es folgt also in einigen Tagen die Metaphysik des Dao.


Warum eigentlich dieser Name?

10 07 2010

Manche fragen sich vielleicht, was ein Kaleidoskop mit der Suche nach der subjektiven Wahrheit zu tun hat.

Nun, laut Wikipedia heißt Kaleidoskop übersetzt "schöne Formen sehen" oder auch "schöne Gestalten sehen". Und genau dies sollte die subjektive Wahrheitssuche auch tun: die Gestalt des Schönen erkennen, es hineinprojizieren in die Dinge, die man sieht. Allerdings nicht im Sinne von "Ich rede mir die Welt schön", sondern eher: "Zu dem, was ich habe, denke ich mir noch dies und jenes hinzu, damit es schön wird". (Was man sich hinzudenkt, sollte man sich gut behalten, sonst kann man nicht mehr aus seiner eigenen Ansicht heraus)

Ich hoffe, dass diese Seite bei dem ein oder anderen das bewirkt, was das Kaleidoskop bei mir als Kind bewirkte: Man schaut hinein, ist entzückt von dem Anblick, dreht und wendet es etwas, verweilt ein wenig bei dem Anblick und legt es dann wieder beiseite, es vielleicht in schöner Erinnerung behaltend.


Die Idee...

08 07 2010

...dieses Blogs kam mir, wie so oft, nach einem langen und guten Gespräch mit einer Person auf einer Party.

Wir waren abends mal wieder auf der Suche nach einem Grund um sich zu betrinken und wurden von Steffen (einer der ganz großen Ermöglicher in meinem Umfeld) auf eine Party geführt. Es waren nur wenige bekannte Menschen anwesend und die Versuche, mit unbekannten ins Gespräch zu kommen, waren nur halbherzig und zudem nicht erfolgreich. So wurde anfangs nur gelabert und ich hatte eigentlich schon keine Lust mehr. Was tut man in einem solchen Fall? Erstmal rauchen. Ich begab mich also auf den Balkon und traf dort eine Person, die mich tatsächlich wiedererkannte: Lucian. Wir hatten uns mal bei Steffen über Statistisk und die Welt unterhalten und ich hatte ihn als offenen, gebildeten und intelligenten Menschen in Erinnerung, oder mit anderen Worten: er verstand meine Fragen an ihn und schien auch nicht allzu desinteressiert.

So kam es zu einem Gespräch, in welchem viel angesprochen wurde. Doch der große Bogen (oder zumindest der letztendliche Gedanke, der daraus erwuchs) war der, dass ich es kritisiere, dass die Wahrheitssuche in der westlichen Welt hauptsächlich über die Wissenschaft definiert wird. Diese betrachtet aber nur den einen Teil der Wahrheit, den äußeren, nicht subjektiven. Mit dem anderen steht es zwar jedem frei, sich zu beschäftigen, es ist aber keine "anerkannte Tätigkeit" und ganz bestimmt nichts, wovon man leben könnte.

Dieses Problem wird dieser Blog kaum beseitigen (und ich bin mir auch gar nicht sicher, ob es überhaupt eines ist), aber er versucht zumindest dies: eine ernsthafte subjektive Wissenschaft zu betreiben. Denn diese habe ich in dem Gespräch zwar als gegeben vorrausgesetzt, aber eigentlich nie verwirklicht. Zwar habe ich mich über die Jahre hinweg für vielerlei Dinge und Themen interessiert, jedoch nie etwas verschriftlicht, was sich hiermit ändern soll.

Wie sieht so eine subjektive Wissenschaft überhaupt aus? Es geht mir weniger darum, eine konkrete Philosophie zu entwickeln und diese systematisch aufzuschreiben, als vielmehr um die Methode, mit welcher ein solches Gedankengebäude entsteht. Die Methoden hierfür sind unterschiedlich, meine ist die folgende: Die Werke und Gedanken, die die Menschheit stark beeinflusst haben zu analysieren und einerseits zu schauen, womit ich mich selbst identifizieren kann und was ich verneine. Damit einhergehend ist die Suche nach den Gründen, warum ich diese Meinung habe (was nur subjektiv möglich ist). Andererseits will ich nach Parallelen in diesen Werken und Gedanken suchen, nach Analogien in der Wahrheitssuche selbst sozusagen. Hier verlässt man strenggenommen schon den rein subjektiven Bereich, denn wenn ich diese Parallelen finde, so kann man durchaus behaupten, dass sie intersubjektiv gültig sind, dass es also bestimme Wahrheiten gibt, welche unabhängig von mir als Subjekt zu finden sind. Der Grund, warum ich dies trotzdem unter den Begriff der subjektiven Wissenschaft fasse ist der, dass das Finden dieser Parallelen durchaus ein subjektiver Vorgang ist. Denn diese Parallelen werden immer zweifelhaft bleiben, sie werden nie die Festigkeit einer (objektiven) wissenschaftlichen Aussage haben. Anders gesagt: Ich kann nicht beanspruchen, dass diese Parallelen für andere ebenso existieren, sie sind genaugenommen meine Setzungen. So ist die Wahrheit, die sich aus diesen Parallelen ergibt auch "nur" meine Wahrheit, sie hat nicht den Anspruch auf einen ausgedehnteren Gültigkeitsbereich als den meiner Weltanschauung.

Im Konkreten werde ich so vorgehen, dass ich mir Projekte vornehme und die Arbeit an diesen hier veröffentliche. Mein erstes Projekt ist das "Daodejing" von Laozi (übersetzt und kommentiert von Richard Wilhelm). Der Grund warum ich diese Werk ausgewählt habe ist einerseits, dass seine Kürze sich für Einstiegsprojekt eignet (es handelt sich um 81 Abschnitte die jeweils die Länge von Gedichten haben). Andererseits ist es als zentrale Schrift im Daoismus ein sehr einflussreiches und tiefes Werk, wie eben alle bedeutenden Schriften der Weltreligionen.